Themen zu Hochsensibilität und Hochsensitivität


 

Woher kommt Hochsensibilität?

 

 

Vor etwa 20 Jahren hat die amerikanische Psychologin  Elaine N. Aron begonnen, das Phänomen einer besonders ausgeprägten Reizwahrnehmung  wissenschaftlich zu untersuchen. Sie hat festgestellt, dass zehn bis fünfzehn Prozent der Menschen, unabhängig von Geschlecht und Alter,  mit einer hochsensiblen Reizwahrnehmung ausgestattet  sind und sich diesbezüglich von der normal sensiblen Mehrheit unterscheidet. 

 

Hochsensibilität  wird nach bisherigem Erkenntnisstand von Generation zu Generation weitervererbt und prägt die Entwicklung des Kind von Geburt an. Das Kind ist im wahrsten Sinn des Wortes “zartbesaitet” und je nach Lebensumständen lernt es auf die ein oder andere Art mit dieser Disposition umzugehen. Die Erfahrung allerdings zeigt, dass  hochsensible Kinder viel weniger positive Erfahrungen mit ihrer Prägung sammeln durften als negative Erfahrungen zu machen. Solche negativen Erfahrungen führen bei zarten Kindern in aller Regel dazu, dass sie noch zarter werden. Ihre feinen Antennen werden noch empfänglicher reagieren und der Körper wird zum Seismograph für Stimmungen in der Umgebung, was die Sinneswahrnehmungen weiterhin verstärkt

 

 

Was ist Hochsensibilität?

 

 

Die meisten, die sich mit Hochsensibilität bzw. Hochsensitivität beschäftigen, verwenden diese Begriffe synonym. Grund dafür ist die Herkunft der Begrifflichkeit aus dem Englischen mit  “High Sensitive Person, HSP” (geprägt von Elaine Aron). Es ist aber dennoch sinnvoll, den Unterschied zwischen Hochsensibilität und Hochsensitivität zu machen. Zwei ganz unterschiedliche Phänomene können mit diesen Worten beschrieben werden, auch wenn sie häufig gemeinsam auftreten:

 

Wer hochsensibel ist, verfügt über feiner ausgeprägte fünf körperliche Sinne als andere. Er oder sie hört, sieht, schmeckt, fühlt und riecht differenzierter. Das führt leicht zu Reizüberflutung, Hochsensible sind “zartbesaitet”. Gleichzeitig sind sie dadurch aber auch in der Lage, vermehrt feinere Informationen wahrzunehmen und zu interpretieren. Ihre Saiten schwingen leichter, um bei diesem Bild zu bleiben. Kein Wunder, dass viele Hochsensible auch künstlerisch begabt sind!

 

Stattdessen hat ein Mensch, der hochsensitiv ist, einen “sechsten” oder “siebten” Sinn. Hochsensitive sind das, was man “hellsichtig” oder “hellfühlig” nennt. Sie sind extrem empathisch, manchmal regelrecht medial. Sie haben Ahnungen, Visionen oder andere Empfindungen aus der “nicht-alltäglichen Wirklichkeit”. Für Hochsensitive ist es selbstverständlich, dass es Energien außerhalb unserer alltäglichen Wahrnehmung gibt, denn sie nehmen sie direkt wahr. Manche Menschen haben diese Fähigkeiten schon seit frühester Kindheit.

 

Hochsensitivität und Hochsensibilität treten oft gemeinsam auf, aber nicht immer. Es gibt Hochsensible ohne ausgeprägte Empathie oder nicht-alltäglichen Wahrnehmungen, und es gibt Hochsensitive, deren alltägliche Sinne durchschnittlich ausgeprägt sind. Hochsensible Menschen müssen lernen, mit ihrer persönlichen Empfindsamkeit zurechtzukommen. Sie müssen sich immer wieder Ruhephasen gönnen, um ihren Alltag an ihre zartbesaitete Natur anzupassen und die Stärken ihrer Besonderheit immer mehr kennenlernen. Hochsensitive haben dagegen oft das Problem, dass sie über ihre Wahrnehmungen nur mit wenigen Menschen reden können. Sie müssen lernen, dass sie nicht verrückt  sind und wie sie am besten ihre Fähigkeiten als Gabe nutzen können. Manchmal müssen sie auch lernen, zwischen alltäglichen und nicht-alltäglichen Wahrnehmungen zu unterscheiden.

 

 

Was  bedeutet Hochsensibilität ?

 

 

Hochsensible Menschen verfügen über eine erweiterte, stärkere Reizwahrnehmung und eine besonders ausgeprägte Empathie, Intuition und Kreativität. Auf der anderen Seite kann jedoch die Reizüberflutung und ein Zuviel an Informationen und Reizen den hochsensiblen Menschen sehr schnell in Stress versetzen und überfordern. Dies ist häufig verbunden damit, sich nicht genügend abgrenzen zu können oder nicht ausreichend auf die eigenen Grundbedürfnisse zu achten.

 

Für all diese Herausforderungen ist ein großes Maß an Wissen über die eigene Besonderheit von Bedeutung und ebenso kann die Erkenntnis “Ja, so bin ich und das ist gut so!” grosse Erleichterung bewirken und somit aus der vermeintlichen Schwäche eine persönliche Stärke erwachsen.

 

 

Hochsensibilität bei Kindern

 

 

Die in der Regel wenig schmeichelhaften Zuschreibungen für Kinder und Erwachsene in entsprechenden Situationen wie  "Heulsuse", "Mimose" oder "Prinzessin auf der Erbse" drücken bildhaft auf sehr anschauliche Weise Hochsensibilität aus. Rein statistisch wird etwa jedes fünfte Kind  mit diesem besonders sensiblen Nervensystem geboren. Diese Kinder verfügen im Vergleich zu anderen, normal sensiblen Kindern nachweisbar über eine grössere Wahrnehmung von Reizen, über die Fähigkeit auch kleinste Veränderungen und Feinheiten zu erkennen, starke Gefühle und Empfindungen zu spüren, und zwar nicht nur z.B. bei Lärm oder Menschenansammlungen, sondern auch für Stimmungen und Gefühle anderer Menschen. Oft kennzeichnet diese Kinder auch eine aussergewöhnliche Kreativität, eine reiche Phantasie  oder stark ausgeprägte Wertvorstellungen. Die Kinder machen aber nicht nur positive Erfahrungen mit dieser erblich bedingten "Sonder-Ausstattung". So sind hochsensible Kinder sehr schnell überfordert und überreizt von all den äusseren und inneren Eindrücken, die verarbeitet werden müssen. Desweiteren werden die besonderen Fähigkeiten im Kontakt mit anderen Kindern (im Kindergarten oder Schule, Freunde..) oder Erwachsenen (Eltern, Lehrer, Tante, Oma..) meist nicht nur übersehen oder belächelt, sondern auch abgewertet und bekämpft.

Die Erziehung hochsensibler Kinder kann somit nicht nur ein grosses Glück und Geschenk sein, sondern meist auch eine ganz spezielle und besonders grosse Herausforderung!