hochsensibilität

Woher kommt die Begrifflichkeit Hochsensibilität?

Seit Mitte der 90er Jahre forscht die amerikanische Psychologin Elaine N. Aron zu dem menschlichen Phänomen der Hochsensibilität und hat diesem den Namen Hochsensitivität gegeben (“High Sensitive Person, HSP” Aron, 1996). Im deutschen Sprachraum hat sich allerdings die Begrifflichkeit Hochsensibilität durchgesetzt. Zunehmend wird auch von erhöhter Neurosensitivität (u.a. Patrice Wyrsch, 2020) gesprochen. Belegt durch vielfältige, auch neurologischen, Untersuchungen ist mindestens jeder zehnte Mensch, unabhängig vom Alter und Geschlecht, mit einer hochsensiblen Reizwahrnehmung ausgestattet und unterscheidet sich hierin klar von der normalsensiblen Mehrheit.

Doch schon Carl Gustav Jung (1875-1951), Schweizer Psychoanalytiker, schreibt bereits im Jahr 1913 von "sensitiv Introvertierten mit angeborener Empfindsamkeit".

Auch Jerome Kagan (1929-2021), amerikanischer Psychologe und bekannter Säuglingsforscher, hat diesbezüglich festgestellt, dass jedes fünfte Baby ungewöhnlich "schreckhaft ...mit hohen Reaktionskräften ...schüchtern, zaghaft ...zaghaft, gehemmt" geschrieben. Aus heutiger Sicht sind dies zutreffende Beschreibungen von Hochsensibilität.

Nicht zuletzt hat aber Hans Christian Andersen (1805-1878), dänischer Schriftsteller, 1837 mit seinem Märchen "Prinzessin auf der Erbse" auf sehr bildhafte Weise beschrieben, was es heißt, hochsensibel veranlagt zu sein.

Was ist Hochsensibilität?

Als menschliche Sensibilität wird vor allem die sensorische Leistung-Fähigkeit der fünf Sinnesorgane (Augen, Ohren, Nase, Zunge, Haut) verstanden. Hochsensible Menschen verfügen über stärker ausgeprägte körperliche Sinneswahrnehmung im Vergleich zur Mehrheit der normalsensiblen Menschen. Ein hochsensibler Mensch verfügt zudem im übertragenen Sinn einen "sechsten" oder "siebten" Sinn, oft mit einer eine Affinität zu spirituellen Themen.

Was bedeutet Hochsensibilität?

Ein ständiges Zuviel an Informationen oder Impulsen und einer letztlich immer wieder damit einhergehenden Reizüberflutung kann hochsensible Menschen auch sehr schnell überfordern und in Inneren Stress versetzen. Verbunden damit ist häufig, sich nicht genügend abzugrenzen oder unzureichend auf die eigenen Grundbedürfnisse zu achten.

Viele hochsensible Menschen berichten von mangelndem Selbstwert, einem starken Gefühl "anders" oder "nicht richtig" zu sein, sich entweder permanent anpassen zu wollen sowie für sich selbst nicht ausreichend zu sorgen.

Wenn jedoch die Selbsterkenntnis reifen kann: “Ja, so bin ich und das ist gut so!” wird der innere Druck, sich scheinbar immer an das "Normale" anpassen zu müssen, entscheidend verringert, kann große persönliche Erleichterung eintreten und bewirken, dass aus der vermeintlichen Schwäche eine persönliche Stärke erwächst.

Hochsensible Kinder und Jugendliche

Alle wissen um die Bedeutung der bildhaften und doch auch so verletzenden Zuschreibungen wie "Angsthase“ oder "Mimose“.

Bisherigen Untersuchungen zufolge wird mindestens jedes zehnte Kind mit diesem besonders sensiblen Nervensystem geboren. Diese Kinder verfügen im Vergleich zu normal-sensiblen Kindern neurologisch nachweisbar über eine verstärkte Wahrnehmung von äußeren und inneren Reizen, über die Fähigkeit auch kleinste Veränderungen und Feinheiten zu erkennen, zu starken Gefühlen und

Empfindungen. Und zwar nicht nur in fremden Situationen, bei Lärm oder Menschenansammlungen, sondern auch für Stimmungen und Emotionen anderer Menschen. Oft kennzeichnet diese Kinder auch eine außergewöhnliche Kreativität, eine reiche Phantasie oder stark ausgeprägte Wertvorstellungen.

Die Kinder machen aber meist nicht nur positive Erfahrungen mit dieser erblich bedingten "Sonder-Ausstattung". Vor allem sind diese Kinder sehr schnell überfordert und überreizt von all den äußeren und inneren Eindrücken, die verarbeitet werden müssen.

Des Weiteren werden die außergewöhnlichen Fähigkeiten und Besonderheiten im Kontakt mit Erwachsenen (Eltern, Lehrer, Tante, Oma..) oder anderen Kindern (Kindergarten, Schule, Freunde..) häufig nicht erkannt, belächelt, und/oder auch massiv abgewertet und bekämpft.

Die Erziehung und Begleitung hochsensibler Kinder können für Eltern und andere Erwachsene somit nicht nur unerwartetes Glück und Geschenk sein, sondern meist auch eine ganz spezielle und besonders große Herausforderung.